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Architektur

Das Kunstmuseum Bonn ist nicht allein wegen seiner Sammlung, sondern auch aufgrund seiner herausragenden Architektur ein Highlight der Bundesstadt Bonn, das auch in internationaler Hinsicht keinen Vergleich scheuen braucht.

Der Bau von Axel Schultes mit seinem anspruchsvollen „fließenden“ Raumkonzept bietet sowohl in Bezug auf die Dimensionierung der einzelnen Räume, ihre visuellen und materiellen Erschließungsachsen wie auch bezogen auf die Lichtführung bestechende Voraussetzungen, Kunst in all ihren Facetten, von der klassischen Moderne bis hin zu den Spielarten der jüngsten Kunst optimal zu präsentieren.

Nachdem das Museum lange Jahre in beengten Verhältnissen in der Bonner Innenstadt untergebracht war, wurde das Mitte der achtziger Jahre durch das Architektenteam Dietrich Bangert, Bernd Jansen, Stefan Scholz und Axel Schultes (BJSS) geplante Gebäude im Juni 1992 eröffnet. Als Bestandteil der Bonner Museumsmeile besticht die Architektur sowohl von Außen wie auch von Innen durch seine Offenheit und Lichtführung. Die dezente, aber keineswegs nüchterne Formensprache, die durchaus spielerische Komponenten beinhaltet, verliert sich dabei nicht in einer selbstverliebten Feier der Architektur. In ihrer Größe dem Geist der ausgehenden achtziger Jahre verpflichtet, ordnet sich das Gebäude seiner dienenden Funktion als Ausstellungsort der bildenden Kunst auch in praktischer Hinsicht völlig unter. 

 

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RUNDGANG
Das Kunstmuseum Bonn verhält sich offen gegenüber den Besuchern, die durch drei verschiedene Eingänge das Kunstmuseum betreten können. Aus dem Foyer werden sie sodann über eine spektakuläre Treppe geführt, die den verdunkelten Eingangsbereich aufreißt und den Weg durch das Licht in ein großzügiges Obergeschoss des Hauses geführt. Doch auch der Gang ins Erdgeschoss ist lohnend: zum einen ist hier mit der Sammlung der Rheinischen Expressionisten, den grafischen Ausstellungsräumen und weiteren Sammlungsräumen ein Herzstück des Kunstmuseums zu sehen. Zum anderen ermöglicht eine offene Glaswand im Erdgeschoss das reizvolle Zusammenspiel zwischen Innen und Außen.

Die Räume des Obergeschosses bestechen durch das einfallende Naturlicht, das die Kunst selbst erstrahlen lässt. Die Treppe unterteilt und verbindet dabei den Sammlungs- und den großen Wechselausstellungsbereich, der zudem durch das für das Haus charakteristische Prinzip der Durchblicke verknüpft ist. Hier wie dort durchschreitet der Besucher verschieden große Raumtypen. An einer diagonal das gesamte Museum durchlaufenden Achse werden sie gespiegelt, wiederholen sich also.

In jedem Fall aber sind die Räume recht groß ausgefallen und beherbergen – der Sammlungskonzeption des Hauses folgend – jeweils individuelle „Künstler-Räume“. Auf diese Weise lässt sich das Werk einer bedeutenden Position der deutschen Kunst nach 1945 eingehend verfolgen. Hier zeigt sich erneut der Vorteil der praktisch durchdachten architektonischen Anlage, denn die Abtrennung der Räume erfolgt durch Doppelwände, in denen Technik untergebracht ist. Die  Kunst kann deshalb im idealen, störungsfreien „White Cube“ seine Autonomie genießen und muss den Raum zugleich auch gestalten.

Mit dem Haupthaus durch ein ausschweifendes Dach (in Segel-Form) verbunden ist ein schmales Gebäude, das dieselbe Sandstein-Fassade besitzt. Es schirmt das eigentliche Museumsgebäude wie ein Wall gegenüber dem Lärm der viel befahrenen B9 ab und beherbergt die Verwaltung sowie die museumspädagogischen Räume, in denen zahlreiche Aktivitäten ihren Ausgang nehmen.

Über den Museumsplatz besteht eine Verbindung zur Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland. Das von Gustav Peichl geplante Gebäude wurde ebenfalls im Juni 1992 eröffnet und markierte so zusammen mit dem Kunstmuseum den Beginn der mittlerweile beträchtlich gewachsenen Bonner Museumsmeile.