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Franz M. Jansen

Rheinische Expressionisten - Teil 4

20.04. - 20.12.2012

Nach Hans Thuar,  Paul Adolf Seehaus und Heinrich Campendonk folgen nun als Teil 4 der Reihe zu den Rheinischen Expressionisten die Werke von Franz M. Jansen.

Wie viele Maler aus dem Kreis der Rheinischen Expressionisten war auch Franz M. Jansen kein akademisch ausgebildeter Künstler. Schon während seines nicht abgeschlossenen Architektur­studiums begann er autodidaktisch zu malen. Dabei experimentierte er mit vielfältigen Anre­gungen. Insgesamt hat Jansen auch im Vergleich zu anderen Rheinischen Expressionisten eine stilistisch und inhaltlich besonders komplexe Entwicklung durchlaufen. Ein Bild wie Märchen­wald dokumentiert durch seine flächige ornamentale Gestaltung den Einfluss des Wiener Ju­gendstils, mit dem er während seines Aufenthalts in Wien in Berührung kam. Im Frühwerk ist, bestärkt durch die Auseinandersetzung mit dem Werk von Hodler und Munch, ebenso die Wendung zu einer symbolhaften und allegorischen Überhöhung der Bildthemen angelegt, die Jansen in unterschiedlicher Deutlichkeit bis in sein Spätwerk hinein formuliert.

Zu den ersten wesentlichen und anhaltenden Eindrücken gehört seit 1910 die Kunst van Goghs, „dessen innere Glut und der Lebensdrang der Gestalten und Gestaltungen“ Jansen sehr berüh­ren. Die intensive Beschäftigung wird nicht nur in den nun bevorzugten Landschaftsdarstel­lungen und dem häufigen Thema der Ernte, sondern vor allem im flackernden Gestus der Pin­selstriche und dem pastosen Farbauftrag anschaulich, auch die Zeichnungen dieser Jahre sind von einer ähnlichen Dynamik des Linearen bestimmt. Das Gemälde Gemüsegarten integriert durch die Steigerung der einzelnen Farben zudem Erfahrungen des Fauvimus. Das Porträt von Elsbeth Kreutzer, der Schwester von Jansens Ehefrau, wirkt entspannter, behält aber die fau­vistische Leuchtkraft der Farben bei. Die Bilder Weggabelung im Wald und Bei Rees mildern die farbigen Kontraste, bündeln und verschärfen zugleich die Bewegungen der Formen. Dabei ist Jansens Malerei weniger Expressionismus als expressiver Realismus. Auch den Weg in die Abs­traktion geht er nicht mit, sondern bleibt der sichtbaren Wirklichkeit verpflichtet.

Neben seinem malerischen hat Jansen ein umfangreiches grafisches Werk geschaffen, in dem er seine künstlerischen Absichten besonders klar zu formulieren vermochte.  Zwischen 191o und 1956 entstehen Einzelblätter und zahlreiche Zyklen mit Holzschnitten und Radierungen in ei­nem großen Radius von Themen: Landschaft, Industrie, Krieg, Großstadt, der Rhein. Nach dem Ersten Weltkrieg verschiebt sich Jansens Kunst deutlich zu einer gesellschaftskritischen Hal­tung, ohne die Darstellung einer harmonischen Natur aufzugeben. Impressionistische Auflo­ckerungen, sachliche Objektivität, spätexpressionistisches Oh Mensch-Pathos und karikierende Schärfe des Verismus stehen nebeneinander. Das Gemälde Promenade ist Beispiel einer Hal­tung, die als Neue Sachlichkeit nüchtern und desillusioniert die Gesellschaft der Weimarer Re­publik schildert und längst die künstlerischen Fragen des Rheinischen Expressionismus hinter sich gelassen hat.

Franz M. Jansen, Bildnis Elsbeth Kreutzer, um 1912, Aquarell, 54 x 44 cm, Kunstmuseum Bonn

Franz M. Jansen, Gemüsegarten, um 1911, Öl auf Leinwand, 48 x 57,5 cm, Kunstmuseum Bonn

Franz M. Jansen, Promenade, 1925, Öl auf Hartfaser, 76,5 x 95,5 cm, Kunstmuseum Bonn

Franz M. Jansen, Weggabelung im Wald, um 1913/14, Öl auf Leinwand, 78 x 93 cm, Kunstmuseum Bonn