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Mitch Epstein - State of the Union

Überblicksaustellung zu einem der wichtigsten Farbfotografen Amerikas

11.11.2010 - 23.01.2011

Mitch Epstein, geb. 1952 in Holyoke / Massachusetts, zählt zu den herausragen­den amerikanischen Fotografen, die in Deutschland vor allem durch ihre Buchpublikationen, weniger jedoch durch ihre Ausstellungen bekannt geworden sind. Dieses Ungleichgewicht wird nun durch eine groß angelegte Ausstel­lung beseitigt, die die Entwicklung von Mitch Epsteins Werk anhand von zwei sehr unterschiedlichen fotografischen Serien veranschaulicht. Die ab 1973 Recreation – American Photographs betitelte Serie steht in der besten Tradition der amerikanischen „Street Photography“ und schildert Alltagssituationen, unspektakuläre Freizeitaktivitäten und Momente der Muße, die dennoch Grundsätzliches über das Leben in den USA der 70er und 80er Jahre aussagen. Gerade in der Zufälligkeit der Begegnungen und Motivkonstellationen dokumentiert sich nämlich die Offenheit einer – vielleicht ein wenig aus den Fugen geratenen – pluralistischen Gesellschaft, deren Freizügigkeit Jahrzehnte später verloren gegangen zu sein scheint. Dies zumindest lässt die zweite in Bonn präsentierte Fotoserie mit dem Titel American Power (ab 2003) vermuten. Sie lenkt den Blick auf einen der zentralen Machtfaktoren Amerikas, auf die Energieindustrie, die nicht nur in die Gesellschaft, sondern auch in die Natur eingreift und beide verändert. Do­minant und alle Proportionen sprengend schieben sich Kühltürme und Raffineriegebäude in das Bild und degradie­ren alles andere zur Marginalie. Dies gilt auch für den Fotografen selbst, der nicht mehr – wie in Recreation – in den Strom der Ereignisse integriert ist. In American Power tritt er einer Macht gegenüber, die ihn – in Gestalt eines hoch­gerüsteten Wachpersonals – mindestens ebenso argwöhnisch beobachtet, wie er es selber tut. So versammelt die Ausstellung mit den genannten Serien zwei sehr unterschiedliche Gesichter Amerikas, wobei es Mitch Epstein so­wohl in Recreation als auch in American Power gelingt, das Gesehene in ikonisch dichte und jeder Zeit aussagekräf­tige Fotografien zu fassen.

Das Kunstmuseum Bonn startet mit dieser Ausstellung zugleich eine neue Reihe, die zentrale Positionen der ameri­kanischen Fotografie seit den 70er Jahren in umfassenden Einzelausstellungen zeigt. Im zweijährigen Rhythmus werden das Werk von Lewis Baltz, Joel Sternfeld und dem jüngst verstorbenen Larry Sultan präsentiert. Hinter­grund und Motivation dafür sind, dass das Œuvre der genannten Künstler - anders als beispielsweise bei William Eggleston oder Stephen Shore - in seiner Bedeutung für die Entwicklung der künstlerischen amerikanischen Fotogra­fie in Deutschland bislang institutionell nicht oder nicht genügend gewürdigt wurde.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalogbuch mit Texten von Stephan Berg, Christoph Schreier, Stefan Gronert und Gisela Parak sowie eine fotografische Edition des Künstlers.

ERÖFFNUNG: 10. November 2010, 20 Uhr

Mitch Epstein, New Orleans I, Lousiana, 1974

Mitch Epstein, Biloxi, Mississippi, 2005

Mitch Epstein, Hoover Dam Bypass Project, Nevada, 2007

Mitch Epstein, Amos Coal Power Plant, Raymond City, West Virginia, 2004

Mitch Epstein, Los Angeles I, California, 1974

Mitch Epstein, Ybor City, Florida, 1983