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Nadia Kaabi-Linke

Versiegelte Zeit

26.10.2017 - 28.01.2018

Städte und ihre Geschichte(n) - zum Beispiel London, Tunis, Dallas, Berlin und jetzt Bonn - bilden den wichtigsten Ausgangspunkt für die Entwicklung von Nadia Kaabi- Linkes Kunst. Dazu gehört das Sammeln von Spuren. Die Künstlerin versteht Spuren in der Stadt nicht nur als Zeichen für das alltägliche urbane Leben, sondern vor allem als konkrete Bilder für politisch-geographische Gegebenheiten und ihre Auswirkungen auf Menschen. Diese Spuren und Bilder untersucht Kaabi-Linke eingehend, deutet sie und transformiert sie schließlich in ihrer Kunst.

Altarpiece (2015) zum Beispiel ist ein Abdruck der Spuren und Markierungen auf der Wand eines Bunkers aus dem 2. Weltkrieg im Zentrum Berlins. Ehemals Schutz für Zivilisten während der Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs wurde er von der Roten Armee vorübergehend als Kriegsgefängnis genutzt, diente zu DDR-Zeiten als Gemüselager, nach der Wende als ein legendärer Techno-Club und beherbergt heute die Sammlung Boros, eine umfangreiche Sammlung zeitgenössischer Kunst. Vergoldete Flügeltüren verschließen das Kunstwerk und bewahren es vor weiterer Veränderung. So macht das "Altarbild" Geschichte sichtbar und ist zugleich konservierte Momentaufnahme. Parkverbot (2010), die mit Stacheln versehene Berliner Bank, reflektiert Gebote und Verbote zur Nutzung des öffentlichen Raumes und macht diese beinahe körperlich erfahrbar. Eigens für die Ausstellung im Kunstmuseum Bonn schafft die Künstlerin zudem Werke, die sich mit der Geschichte der Stadt Bonn beschäftigen und verwendet dafür zum Beispiel den Staub in ehemaligen Behörden der "Bonner Republik".

Nadia Kaabi-Linkes Denken und Schaffen wird geprägt von der Perspektive der Weltbürgerin. 1978 in Tunis geboren wuchs die ukrainische- russische Künstlerin in Tunis, Kiew und Dubai auf, wurde nach ihrem Kunststudium in Paris an der Sorbonne promoviert und lebt seit Jahren in Berlin. Ihre Werke waren in verschieden Gruppenausstellungen zu sehen, z.B. im Museum of Modern Art und im Guggenheim Museum in New York, im Nam June Paik Art Center in Süd-Korea und auf der Kochi-Muziris Biennale in Indien. Nach Einzelausstellungen in Lissabon, London und Dallas ist Versiegelte Zeit ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland.

Zur Ausstellung erscheint im November 2017 ein Katalog mit Beiträgen von Stephan Berg, Sara Raza, Barbara J. Scheuermann, Michel Sicard sowie Nadia und Timo Kaabi-Linke.

Eröffnung: 25.10.2017, 20 Uhr

Header oben: Nadia Kaabi-Linke, Butcher Bliss, 2010, Verchromte Fleischerhaken, Metallstab, Maße variable, © Nadia Kaabi-Linke, Foto: Bernhard Link, Rechts oben: Nadia Kaabi-Linke, The Altarpiece, 2015, Transferdruck und Acryl auf Leinwand, Holz, Gold, 250 × 450.4 × 6.3 cm, © Nadia Kaabi-Linke, Foto: Mustafa Aboobacker

Nadia Kaabi-Linke, Parkverbot (looted art), 2010, Gusseisen, Holz, Stahl. 92cm × 200cm × 84 cm, © Nadia Kaabi-Linke, Foto: Uwe Walther