WECHSELSPIEL

Ab Juni 2024 tauchen Videonale und Kunstmuseum Bonn wechselseitig in die Archive und die Videokunstsammlungen ein. Diese beherbergen jeweils ein umfangreiches Konvolut sowohl früher als auch aktueller Videokunst, die bis zur Eröffnung der VIDEONALE.20 im kleinen Auditorium des Kunstmuseums sichtbar wird.

Den Auftakt bildet Juha van Ingens (Dis)integrator, 1992; zu sehen bis zum 30. Juni im kleinen Auditorium.

Nehmen Sie das Fernsehen. Was passiert da? Eine Kette von Elektronen, Ton- und Bildimpulsen werden durch Drähte in die Luft übertragen. Die Fernsehkamera ist der Disintegrator.
Ihr Gerät entschlüsselt oder integriert die Elektronen wieder in Bild und Ton.
– Ja, aber das hier ist etwas anderes

Diese kurze Dialogsequenz aus einem Science-Fiction-Film der 1950er Jahre („The Fly“ von Kurz Neumann) wiederholt sich in Juha van Ingen kurzem Video-Clip wieder und wieder bis sich Bild und Ton schließlich in Rauschen auflösen. Was passiert hier? Van Ingen interpretiert das Filmzitat, das die Entstehung von Bild und Ton auf dem Fernsehbildschirm beschreibt, sozusagen rückwärts: während das Fernsehgerät die einzelnen verstreuten Signale und Elektronen, die es empfängt, wieder zu einem zusammenhängenden Bild mit Ton zusammensetzt, kopiert van Ingen diese Bilder von einer Videokassette auf die andere so lange, bis sie sich wieder in einzelne Signale und Elektronen auflösen, die zu vage sind als dass das Gerät sie sinnvoll entschlüsseln könnte. Diese Arbeit wurde im Rahmen der VIDEONALE.5 (1991) im Bonner Kunstverein gezeigt, zu einer Zeit als die Präsentation von VHS-Kassetten noch Standard war.

Mit seinem Bildexperiment steht van Ingen stellvertretend für eine frühe Generation von Videokünstler:innen, die sich mit der Beschaffenheit des Videobildes im Vergleich zu anderen Formen der Bildproduktion- und wahrnehmung künstlerisch auseinandergesetzt haben. Naheliegend ist sicher der Vergleich mit der Produktion von Filmbildern, aber auch Vergleiche zur Entstehung von Bildern in der Malerei oder der Fotografie sind durchaus virulent. Woraus setzt sich ein Bild zusammen und wieviel Information bedarf es, dass wir es erkennen? Mit Blick auf die heutigen Möglichkeiten der digitalen Bildproduktion stellt sich diese Frage nochmal in ganz eigener Weise.

Seit 2005 präsentiert die Videonale – Festival für Video und zeitbasierte Kunstformen alle zwei Jahre eine Ausstellung mit internationaler Videokunst, begleitet durch ein vielfältiges Festivalprogramm, im Kunstmuseum Bonn. Vom 11. April bis 18. Mai 2025 findet die 20. Videonale im Museum und an verschiedenen Orten in der Stadt Bonn statt; das Festival feiert damit sein 40-jähriges Jubiläum.

Im Online-Videoarchiv der Videonale sind über 300 Videowerke aus 40 Jahren Festivalgeschehen dauerhaft einsehbar: archive.videonale.org

Alle Informationen zur VIDEONALE.20 finden Sie auf videonale.org

Juha van Ingen, (dis)integrator, 1991, 3:40 min, courtesy the artist
Heute

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