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Provenienzrecherchen zu den Nachkriegserwerbungen des Kunstmuseum Bonn

 

Der Vorläufer des Kunstmuseums Bonn war das 1884 eröffnete Städtische Museum Villa Obernier. Es geht auf Franz Obernier zurück, der seine Villa und die darin befindlichen Kunstgegenstände 1882 der Stadt Bonn vermachte. Die Ausstattung war nur von heimat- bzw. regionalgeschichtlicher Bedeutung.

Die eigentliche Sammlungsgeschichte des Kunstmuseums Bonn beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg. Von Anfang an galt ein besonderes Interesse dem Werk von August Macke und den Rheinischen Expressionisten. Das Museum besitzt heute eine der umfangreichsten Sammlungen zu deren Kunst. Mit der Erwerbung der Gemälde „Seiltänzer“ und „Türkisches Café“ von August Macke begann im Jahre 1949 die Geschichte der heutigen Sammlungen. Bis 1959 wurden weitere acht Gemälde, zwei Aquarelle und vier Zeichnungen Mackes erworben. Hinzu kamen außerdem Gemälde, Zeichnungen und Grafiken von Heinrich Campendonk, Max Ernst, Franz M. Jansen, Helmuth Macke, Carlo Mense, Paul Adolf Seehaus und Hans Thuar. Damit entstand die größte Sammlung des Rheinischen Expressionismus in öffentlichem Besitz. Walter Holzhausen, der erste Museumsdirektor des Kunstmuseums Bonn, verfolgte neben diesem Sammlungsschwerpunkt die Ausweitung auf Parallelbeispiele deutscher Kunst der ersten Jahrhunderthälfte mit Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen, vereinzelt Plastiken u.a. von Ernst-Ludwig Kirchner, Karl Schmitdt-Rottluff, Max Beckmann, Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter.
Einige Werke von August Macke und den Rheinischen Expressionisten wurden aus Familienbesitz oder aus Nachlässen erworben oder kamen als Schenkungen ins Museum. Andere wurden auf Auktionen, von Privatpersonen oder Galerien erworben.

Trotz eigener Bemühungen konnten die Provenienzen bei einem größeren Teil der Werke bislang nicht lückenlos und zweifelsfrei geklärt werden. Gerade diese noch ungeklärten Fälle sollen nun im Rahmen eines Forschungsprojektes systematisch untersucht werden, um auszuschließen, dass sich unrechtmäßige Erwerbungen in der Sammlung des Kunstmuseums Bonn befinden.
Ziel des Projektes ist es, gemäß den „Washingtoner Prinzipien“ (1998) Kunstwerke, die ihren Eigentümern von den Nationalsozialisten unrechtmäßig entzogen worden sind oder unter Zwang verkauft werden mussten, zu identifizieren und diese Werke entsprechend zu publizieren und in letzter Konsequenz an die rechtmäßigen Eigentümer oder deren Erben zu restituieren.

Die Sammlung im Eigentum des Kunstmuseums Bonn umfasst hinsichtlich der vor 1945 entstandenen Kunst 65 Gemälde und 300 Papierarbeiten von August Macke und den Rheinischen Expressionisten sowie 20 Gemälde und 30 Papierarbeiten, die nicht zum Kreis des Rheinischen Expressionismus zu zählen sind. Insgesamt bestehen bei 50 Gemälden und 75 Papierarbeiten (Aquarelle und Zeichnungen) Provenienzlücken.

© Kunstmuseum Bonn, Mai 2020

Projektdauer
Mai 2020 bis Mai 2021
Das Projekt wird gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg (www.kulturgutverluste.de)

Weitere Projekte des Kunstmuseums Bonn  (ebenfalls gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste)

Untersuchung und Bewertung der Übernahme der Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf, durch Alexander Vömel im März 1933, Gut­achten von Axel Drecoll, Projektdauer: September 2010 bis Oktober 2011

Provenienzrecherche zu dem Gemälde „Leuchtturm mit rotierenden Strahlen“ von Paul Adolf Seehaus, Dossier von Dr. Vanessa Voigt, Projektdauer: April 2010 bis Januar 2011

Provenienzrecherche zu dem Gemälde „Badende“ von Erich Heckel, Dossier von Dr. Vanessa Voigt, Projektdauer: Oktober 2019 bis Januar 2020