Das Kunstmuseum Bonn präsentiert erstmals die neueste Werkserie der international renommierten Fotografin und Dokumentarfilmerin Herlinde Koelbl. Die Ausstellung versammelt Porträts und Interviews von 40 an Krebs erkrankten Menschen und widmet sich einer der häufigsten Erkrankungen unserer Zeit. Mit ihrem neuen Projekt bricht Koelbl gesellschaftliche Tabus und eröffnet einen eindringlichen künstlerischen Blick auf Krankheit, Verletzlichkeit und Hoffnung.
Ausgangspunkt der Arbeit ist ihre eigene Krebserkrankung in den Jahren 2019/20. Während ihrer Behandlung beschäftigten sie insbesondere die Markierungen der Strahlentherapie – sogenannte Radiotherapie-Fadenkreuze, die der präzisen Ausrichtung der Bestrahlung dienen. Die Künstlerin erkannte darin eine überraschende Verbindung zu ihrem früheren Projekt Targets, für das sie Schießziele und Fadenkreuze beim Militär fotografiert hatte: Dort stehen sie für das Töten, in der Krebstherapie für das Überleben.
Für das Projekt sprach Koelbl mit Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft über ihre Erfahrungen mit der Krankheit. Die daraus entstandenen Gesprächsaufzeichnungen sowie die eindrucksvollen Porträts machen persönliche Geschichten von Angst, Hoffnung, Verlust und neuer Zuversicht sichtbar. So entsteht ein bewegendes Panorama menschlicher Verletzlichkeit und Stärke – und ein Plädoyer für einen offeneren gesellschaftlichen Umgang mit Krebs.
Herlinde Koelbl zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Fotografinnen Deutschlands. Mit Langzeitstudien wie Spuren der Macht hat sie internationale Bekanntheit erlangt. Für ihr Werk wurde sie vielfach ausgezeichnet, zuletzt 2025 mit dem Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst.
