Die schottische Künstlerin Susan Philipsz hat in den vergangenen Jahren zahlreiche eindrucksvolle Sound-Installationen in öffentlichen und institutionellen Räumen entwickelt. Seit über zwei Jahrzehnten beschäftigt sich die in Glasgow geborene Künstlerin mit der Umgestaltung und Interpretation musikalischer Quellen vor dem Hintergrund ortsspezifischer Gegebenheiten. Die gelernte Bildhauerin erkundet mittels eigener Stimme oder instrumentaler Kompositionen in ihren Werken die räumlich-skulpturalen Qualitäten von Klang und dessen emotionale wie kognitive Wirkung. Ihr Interesse gilt dabei vor allem dem Wechselspiel zwischen Klang und Architektur, den psychologischen Wirkungen von Liedern und ihrer Fähigkeit, unmittelbare Gefühle und Erinnerungen wachzurufen und dadurch unsere Raumwahrnehmung zu beeinflussen.
Speziell für das Viktoriabad, einem zentralen Bonner Ort voller Erinnerungen, hat Susan Philipsz eine neue Klanginstallation entwickelt. Dabei begegnet sie der Stille des Viktoriabades mit dem Klang ihrer eigenen Stimme, die, vervielfacht und in unterschiedlichen Ausdrucksformen, anschwillt, abebbt, widerhallt – und immer wieder Platz für schweigende Zwischenräume lässt. Inspiriert wurde sie dabei nicht zuletzt durch die These des italienischen Radiopioniers Guglielmo Marconi, dass jeder Klang, der einmal erzeugt wurde, niemals zu reiner Stille verebbt, sondern vielmehr als leise, aber nie lautlos werdende Spur unser Universum durchzieht. Wie Echos der Vergangenheit beschwört die Künstlerin Spuren der einstigen Lebendigkeit und Vitalität dieses Ortes herauf. Klanglich eröffnet sie dabei ein breites Spektrum von Variationen – die Stimmen erklingen mal chaotisch und wohlgesetzt, mal klangvoll, harmonisch aber auch dissonant und spiegeln somit die ganze Bandbreite menschlicher Natur.
The Calling versteht sich als Teil der Ausstellung Sound and Silence, in der das Kunstmuseum Bonn das Thema der Stille in seiner ganzen Breite zwischen erfülltem Schweigen und erzwungenem Verstummen, zwischen scheinbarer Lautlosigkeit und hörbaren übersteigenden Soundclustern auslotet.
Susan Philipsz (*1965, lebt und arbeitet in Berlin) studierte von 1989 bis 1993 am Duncan of Jordanstone College of Art and Design in Dundee Bildhauerei. Ihr Studium an der University of Ulster in Nordirland schloss sie mit dem Master ab.
2010 gewann Susan Philipsz mit der 3-Kanal-Klanginstallation Lowlands den renommierten Turnerpreis. Die Künstlerin singt darin parallel drei verschiedene Versionen des traditionellen Seefahrerlieds Lowlands Away. Erst im Refrain verschmelzen die Versionen zu einem einheitlichen Klangerlebnis. Existentielle Themen wie Trauma und Trauer spielen in zahlreichen ihrer jüngsten Werke eine wichtige Rolle, u. a. in den folgenden Ausstellungen: Part File Score Hamburger Bahnhof (2014), War Damaged Musical Instruments, Tate Britain, London (2015), Night and Fog Kunsthaus Bregenz (2016), Returning, Kunstverein Hannover (2016) oder Voices, Heldenplatz Wien (2018).
Öffnungszeiten Viktoriabad
Dienstag bis Sonntag: 11-18 Uhr
Montag: geschlossen
Eingang: Franziskaner Str. 9, direkt neben dem Café Blau
Aus sicherheitstechnischen Gründen ist der Zugang zur Ausstellung erst ab 14 Jahren gestattet. Die Ausstellung ist nicht barrierefrei.